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Der Ur-Sprung als Bungee-Sprung
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Geburt, Jagd und Krieg in steinzeitlichen Fels- ritzungen
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2.)Wenn alle Menschen vom fötalen Drama geprägt sind und die Erinnerungen daran unbewußt in Ritualen ausgelebt werden, dann dürfte es prinzipiell keinen großen Unterschied machen, mit welchem Geschlecht oder welcher Hautfarbe wir auf die Welt kommen. Wenn Frauen und Männer mit der gleichen Grundprägung ausgestattet sind, müßten sie folglich auch zu den gleichen Ritualen tendieren. In frühen Stammeskulturen läßt sich bei Männern regelmäßig eine Gruppenphantasie finden, übernatürliche Monster oder Ungeheuer in einem kosmischen Kampf niederstrecken zu müssen, weil diese sonst die Gemeinschaft verschmutzen, verschlingen oder sonstwie attackieren würden. An diesem Kampf dürfen im allgemeinen nur Männer teilnehmen, und wer bestimmte Reifeprüfungen, wie die Penisbeschneidung, ertragen hat, gilt als Mann. Tatsächlich ist die Beschneidung der Genitalien aber keine rein männliche Kultäußerung, vielmehr gibt es zahlreiche Volksbräuche, bei denen auch jugendliche Mädchen von den erwachsenen Stammesfrauen beschnitten werden. Nun stellt sich natürlich die Frage, warum Männer und Frauen aber dann nicht ihre Rituale gemeinsam praktizieren? Es lassen sich zwar graduelle Unterschiede feststellen, aber im Grunde vollziehen die Männer und Frauen gleichartige Standardhandlungen. Die Rituale der Frauen nehmen im Durchschnitt weniger Zeit in Anspruch, werden nicht so überschwenglich inszeniert, und anstatt von Genitalbeschneidungen können auch "nur" Narben auf dem Rücken von Mädchen angebracht werden, während sich die Rituale der Männer insgesamt über längere Zeitabschnitte erstrecken, imposante Dekorationen aufweisen und fast regelmäßig schwere aggresive Handlungen beinhalten. Was scheint diese beiden Gruppen aber so zwanghaft zu trennen, wenn wir doch alle gleich geboren werden? Aus einer schlüssigen Antwort auf diese Frage könnte sich ein nützliches Werkzeug ergeben, um endlich die leidige Tradition der Spaltung von Gesellschaften in Männer und Frauen aufzuheben und ebenfalls die gegenseitige Diskriminierung des anderen Geschlechts als "schmutzig", "schwach" oder "minderwertig" zu beenden. Gerade die in einigen Stammeskulturen äußerst rigide praktizierte Trennung der Geschlechter läßt sich nicht allein durch unterschiedliche Körperkonstitutionen erklären. Es muß darüber hinaus beachtet werden, daß die fest an den weiblichen Körper gebunden Fähigkeit der Geburt, als Phänomen auch enorme emotionale Anspannungen, insbesondere starke Angstgefühle, hervorruft. Hinter den teilweise panischen Reaktionen, die im Zusammenhang mit der Geburt in allen Kulturen zu beobachten sind, ist bei Männern das Motiv des Geburtsneid unbedeutender, als im Gegensatz dazu eine manische Geburtsangst. Angst ist aber keine alleinige männliche Domäne. Die steinzeitlichen Venusfiguren lassen sich auch nur ungenügend mit dem Begriff "Fruchtbarkeit" erklären. Warum sollen die Frauen eine Geburt nicht als naturgegebene Konstante empfunden haben, über die nach dem Motto "Schwanger werden ist sowieso Frauensache" nicht sonderlich viel Aufheben gemacht werden muß. Daß Frauen während einer Schwangerschaft von riesigen Glücksgefühlen überwältigt werden können, daß von einer Gedankenübertragung zwischen Mutter und Kind berichtet wird, die an spirituelle Heilserfahrungen erinnert, oder daß zum Ende einer Schwangerschaft die Leidensfähigkeit heraufgesetzt scheint- all diese Umstände mögen die Wahrnehmungen von Schwangerschaft und Geburt für Frauen positiv beeinflussen, aber sie dürften den Blick niemals derartig vernebelt haben, daß damit auch die Schmerzen, Fehlgeburten, Infektionskrankheiten oder eine hohe Sterblichkeitsrate vollkommen ausgeblendet wurden. Nicht die fruchtbaren, sondern die furchtbaren Geburtsumstände haben von je her die Aufmerksamkeit der Menschen stärker gefesselt. In ihrer Doppelfunktion wurden die Venusfiguren auch für magischen Abwehrzauber benutzt, aber es waren keine Fruchtbarkeitsgöttinnen die damit um Hilfe angebetet werden sollten, sondern Göttinen der Furchtbarkeit. Bitte, große Göttin, gib mir ein breites Becken oder gib den Frauen neben mir ein breites Becken, damit alles leichter geht. 
Wenn die Geburt nicht generell mit Schmerzen verbunden wäre und Neugeborene nicht schon vorgeburtlich gelernt hätten, was Schmerzen bedeuten, dann könnte der Vorgang der Geburt auch im Nachhinein genauso gelassen betrachtet werden, wie es z.B. der Umstand, daß nur die weibliche Brust ausreichend Milch gibt, oder daß Fußnägel abgeschnitten werden sollten, wenn sie zu lang sind. Das ist aber offensichtlich nicht der Fall. Die Anekdoten, daß die "stärksten Männer" im Kreißsaal bei der bloßen Beobachtung einer Geburt in Ohnmacht fallen, sind zahlreich. Genauso scheint auch in vielen Stammeskulturen die Geburt "nicht jedermanns Sache zu sein", denn die Männer dieser Gesellschaften bedienen sich oft einer rabiaten Art, um diesen biologischen Vorgang aus ihrem Blickfeld zu verbannen, indem sie schwangere Frauen aus den Siedlungen an abgelegene Orte verweisen. Möglicherweise würden aber auch in diesen Gesellschaften einige Männer in Ohnmacht fallen und dann die Schuld, dafür in kindlicherweise, den schwangeren Frauen anlasten. Deshalb könnten sich die Frauen auch in weiser Vorraussicht an Orte zurückziehen, in denen sie verhältnissmäßig ungestört sind. Männer, die offensichtlich zutiefst berührt sind, wenn es während einer Geburt "ans Eingemachte geht", können, im Gegensatz zu den gebärenden Frauen, ja tatsächlich eine Entscheidung darüber fällen, ob sie sich in diesem Augenblick abwenden wollen, aber damit, daß sie sich gegebenenfalls diesen Anblick ersparen, können sie die Ängste nicht abschütteln, mit denen Menschen wiederholt in ihren Alpträumen konfrontiert werden.
Ich möchte als Abschluß jetzt aufzeigen, wie eine Geburt bei sogenannten Naturvölkern im allgemeinen vonstatten geht, daß dabei zutiefst faszinierende Eindrücke von Zuschauern gesammelt werden können, und daß diese Eindrücke in erheblichem Umfang die Dekoration von Ritualobjekten und sakraler Räume beeinflußt haben. Die Frauen derartiger Gesellschaften suchen für die Geburt meistens Plätze außerhalb der Siedlungen auf, zumeist einfache Frauenhütten, die für Männer durch besondere Tabuzeichen gekennzeichnet sind. Oft sind das mit Blut beschmierte Pflanzenbündel oder Gewebereste. Der Begriff Tabu geht auf das polynesischen Wort tapua zurück, was auch Menstruationsblut heißt. Dort gebären sie meist in Gegenwart älterer Frauen (Hebammen), die ihnen mit Handlungsanweisungen behilflich sind. Die einzigen Hilfsmittel sind üblicherweise Bauchmassagen, ein wärmendes Feuer in der Nacht, Stützstock, Bambus- oder Muschelmesser und Faden zum Nabel abbinden. Nach einer erfolgreichen Geburt wird auch kontrolliert, ob sich die Placenta vollständig aus dem Uterus gelöst hat, da im Mutterleib zurückgebliebene Teile zu schweren Anfällen von Kindbettfieber und damit zum Tod der Mutter führen können. Bei dieser ganzen Prozedur können auch ältere Kinder anwesend sein, die die Geburt ihrer jüngeren Geschwister mit ansehen. Dabei werden diese Kinder gegebenenfalls auch unfreiwillig Augenzeugen wie sich ihre eigene Mutter, und damit die wichtigste Bezugsperson in ihrem bisherigen Leben, über Stunden mit schmerzverzerrten Gesicht stöhnend am Boden wälzt.
Ich stimme mit deMause überein, daß der tiefste Bewegsgrund für Rituale aus dem fötalen Drama resultiert und möchte dem nur hinzufügen, daß nachfolgende Geburtsbeobachtungen später eine feste Verbindung mit diesem Grundmotiv eingehen können. Dekorationen von rituellen Objekten lassen sich deshalb auch auf sekundäre Geburtsbeobachtungen zurückführen. Von dem geschichtlichen Augenblick an, da die Geburt nicht mehr regelmäßig in der Gegenwart kleiner Kinder vonstatten geht, findet scheinbar auch ein Bruch im Verständniss ritueller Symbole statt. Wenn früher die Gorgo Medusa mit ihren Schlangenattributen im mediteranen Kulturraum auch als die "Nachfolgende" oder "Kindsbettdämonin" bezeichnet wurde, dann korrespondiert das deutlich mit der Nachgeburt. Im 20. Jahrhundert wird das Schlangenhaupt der Medusa aber kaum als placentales Adergeflecht gedeutet, sondern fast nur als phallisches Symbol. 
Es ist für mich in diesem Zusammenhang auch verständlich wenn Frauen in Stammeskulturen graduell abgeschwächte Rituale ohne überladene Dekorationen aufführen, da sie einem unbewußten Geburtswiederholungsdrang ja zusätzlich und viel besser nachkommen können, wenn sie als werdende Mutter die Wiedergeburt sozusagen im "Original" nochmal erleben können. Kleine Mädchen, denen bei Geburten der Mutter der Rat gegeben wird: "paß genau auf,merk dir das", könnten ihre Beobachtungen instinktiv als Anschauungsunterricht für spätere gleichartige Vorkommnise auffassen. Kleine paralysierte Jungen, die diesem Schauspiel auch beiwohnen, steht die Möglichkeit einer biologischen Wiederholung nicht zur Verfügung. Trotzdem scheinen sie sich akribisch aber auch kleinste Details gemerkt zu haben und greifen darauf, oftmals in grotesker Art, zurück wenn sie versuchen, einen unbewußten Wiederholungsdrang zu befriedigen. Magarte Jolly bemerkte über die rituelle Penisbeschneidung auf der Südseeinsel Pentecost, das dieser kollektive Vorgang ihrer Meinung nach weniger mit Körperhygiene zu tun hat als mit dem Gedanken einer gemeinsamen Vaterschaft. Weibliches Gebären soll verdeckt werden durch männliches Wiedergebären, bei dem sich die erwachsenen Männer eines Clans, ohne Zutun der Frauen, selber ihren eigenen Nachwuchs schaffen, aus jungen Knaben die im übertragenen Sinne mit der Beschneidung erneut abgenabelt werden. Bei vielen Stämmen kann sich ein Initiationsritual für Knaben über Monate erstrecken, wobei die Kinder oft von den Frauen der Dorfgemeinschaft getrennt leben müssen, in besonderen Initiationshütten. In Australien werden zum Zeitpunkt der eigentlichen Beschneidung, die den Höhepunkt und Abschluss der Initiation bezeichnen kann, von eingeweihten Männern heilige Scheiben, sogenannte Tjurungas, aus einem geheim zu haltenden Versteck geholt. Dabei kniet ein Mann über dem Erdversteck, streckt seinen Bauch vor und ächst und stöhnt wie eine Frau in den Wehen. Ein anderer Mann streichelt ihm währenddessen mit kleinen Steinen über den Bauch, bis plötzlich die Steinscheibe unter dem Gesäß des Stöhnenden hervor gehoben wird. Die Scheibe wird dann zum Versammlungsplatz der Männer gebracht, wo auch die Beschneidung stattfinden soll. Derartige Scheiben sollen aus dem Fleisch eines mystischen Urwesens entstanden sein, und die Männer des Stammes sollen sie schon vor langer Zeit erhalten haben. Die Scheiben tragen häufig Symbole aus konzentrischen Kreisen, ähnlich den placentalen Zeichen auf Felsblöcken. Während der Beschneidung muß das Blut der Jungen auf diese Scheibe tropfen, und Männer fahren mit den Fingern kontrollierend die Rillen ab, während sie den Jungen das Geheimniss dieser Scheibe und der Männer des Stammes offenbaren. Durch die Beschneidung sollen die jungen Männer das restliche mütterliche Blut verlieren, das noch in ihnen steckt, damit sie später durch das Blut der Männer wiedergeboren werden. Das Verhältnis zwischen Mensch und Tjurunga im Glauben der australischen Aranda drückt sich am besten in dem Satz aus, den die jungen Männer hören: "aus dieser Tjurunga bist du gemacht" (im Original nana unta mburka nama= dies (d.h. die Tjurunga) du Körper bist). 
Neben den Tjurungas gibt es ein weltweit verbreitetes Ritualobjekt, das Schwirrholz. In Australien haben diese Gegenstände, mit denen laute Geräusche erzeugt werden könen, nicht nur fast identische Verzierungen (Kreise,Zickzacklinen), es werden sich auch ähnliche Ursprungslegenden erzählt. Ich möchte hier aber eine Schwirrholzlegende aus Afrika wierdergeben, in der viele Analogien zu Geburts- und Ritualhandlungen auftauchen. 
In der ältesten Zeit war ein Platz von Busch und Bäumen umstanden und hin und wieder konnten die Leute einen Schrei hören, wie: "Mamu,Mamu!". Sie waren so erschrocken, daß sie sich nicht wagten, in den Busch zu gehen. Einmal sagte der Gott OLORUM zu den Menschen im Traum: "Ihr müßt hier weg gehen, weil der Platz gesättigt ist vom Geist ORO". Die Menschen aber gedachten den Boden mit dem Blut geopferter Tiere zubesprengen und so den ORO zu besänftigen. Indes kamen die Träume wieder, und die Kinder der Menschen starben. In dieser Zeit kam ORO, der Jäger, ins Land und zeigte ihnen einen anderen Platz, wo sie ihm ein Opfer bringen konnten. So geschah es, und ORO aß das Opfer und sagte ihnen, daß er jede Nacht die Geräusche hervorbringe. Er schnitt sich ein Stück Fleisch aus seinem Körper (in einer Variante aus dem Vorderarm, in einer anderen aus dem Penis) und hieß es sie mit einer Schnur zu versehen. An seiner Stelle würde das Stück Fleisch jetzt wie er selbst Geräusche machen, wenn sie es als Schwirre benutzen. Aber Frauen dürften nicht dabei sein. Nach dem Gebrauch müßten sie das Fleisch jeweils in der Erde vergraben und nicht mit nach Hause nehmen. Den Platz sollten sie aber Oro-Busch nennen. Nun hörten die Kinder auf zu sterben, das Volk vervielfältigte sich; ein König wurde gewählt. Dessen neugieriges Weib beobachtete einmal heimlich die Versammlung eines Oro-Festes. Als nun das Stück Fleisch herum geschwungen wurde, gab es keinen Laut von sich, sondern flog unter zerreißen der Schnur dem Weib an die Kehle und durchschnitt sie. Dann sagte das Fleisch: "ich gehe zu meinem Vater und erzähle ihm alles". Dies geschah so und ORO, der Jäger, sagte: "komm zurück zu meinem Fleisch". Anstatt des Fleischstücks befestigte er aber ein Stück Holz an der Schnur und legte es in den Boden. Dann verließ ORO die Welt, weil er beleidigt war, weil ein Weib ein Teil von ihm gesehen hat.
Einzelne Elemente der Beschneidungsriten oder Schwirrholzlegenden wie Ursprungssteine, Messer oder kleine Wesen, die zu ihrem Vater laufen und petzen, erscheinen im Licht der Geburtsthematik wie überdrehte Referenzen an die wirkliche Placenta, Abnabelungsmesser oder kindliche Beoachter. Andere in Ritualen auftretende Handlungen haben auf den ersten Blick keinen so deutlichen Geburtsbezug. So werden in Papua-Neuguinea den Initianten auch Holzstücke in die Nase und Rachen gestossen, oder Männer verschlingen Holzstäbe. Diese Gesten sehe ich aber nicht als zufällige kulturelle Eigenarten an, sondern lassen sich für mich ebenfalls als völlig übersteigerte und zweckentfremdete Nachahmungen deuten. 
Denn in Papua-Neuguinea läßt sich bei Hebammen der Brauch finden, kurz nach der Geburt eventuell vorhandene Schleimpropfen aus der Mundhöhle oder Nase des Neugeborenen mittels eines kleinen biegsamen Stabs zu entfernen. Damit soll sichergestellt werden, daß die Atemwege frei von Fremdkörpern sind. In anderen Teilen der Welt wird diese Maßnahme mit einem Finger ausgeführt. Ich habe noch keinen Bericht über die Geste des "Holz in die Nase stossen" aus anderen Kulturen gefunden, aber es gibt eine nordamerikanische Holzstatue, die das "Finger in den Mund"-Motiv darstellt. Derartige Plastiken vermitteln Anweisungen der Geburtshilfe auf eine sachliche mitfühlende Art, anstatt sie wie in Ritualen mit einem hohen Gewaltpotential zu parodieren. 
Aus dem Blickwinkel der Geburtshilfe läßt sich dann auch eine weitere Anzahl von Dekorationen sakraler Räume erklären, die ohne diesen Schlüssel rätselhaft bleiben würden. Die einfachsten "heiligen Stätten" sind die anfänglich schon erwähnten, größtenteils naturbelassenen Felsblöcke, die oft nur mit Kreis oder Labyrinthzeichen versehen sind. Wie aus den Aufzeichnungen von Ethnologen und Medizinern hervorgeht, lassen sich hier aber auch Felsgravuren finden, bei denen Einzelbilder übereinstimmen mit den verschiedenen Stellungen, die Frauen während einer Geburt einnehmen. So kann ein Stein an einem Flußlauf in Polynesien zwei Frauen Rücken an Rücken wiedergeben, genau dieselbe Position wurde als Geburtsstellung auch schon in Afrika beobachtet. 
Auf dem gravierten Steinfelsen einer Geisterinsel in Nordamerika wäre kein Schamanentanz abgebildet, sondern eine Geburtsszene, bei der sich die Mutter an einem Stützstock festhält. Derartige Stöcke waren bei einigen Indianerstämmen Nordamerikas das Hauptzeichen für einen Geburtsplatz bzw. eine Geburtshütte. Das Motiv des Stützstocks läßt sich auch in vielen Bildern anderer Kulturen finden, und die Spur ließe sich von Nordamerika bis zum Äskulapstab verfolgen. Nachdem man anfänglich sakrale Plätze dadurch makiert hat, daß Naturfelsen teilweise graviert wurden, werden auf der nächsten Stufe Steinblöcke entweder vollständig zu Figuren verändert oder zu künstlichen Bauten zusammengestellt (Bildtafel V). Die sogenannten "Hünengräber" werden im allgemeinen als Gräber gedeutet, weil dort Skelettreste neben zahlreichen scharfkantigen Scherben oder Messern gefunden wurden. Es lassen sich in diesen Großsteinbauten auch viele Labyrinthzeichen und Becherabdrücke finden. Ich behaupte, daß diese Steindenkmäler zwar kurzfristig für eine oder mehrere Beerdigungen genutzt wurden, daß sie längerfristig aber eine Funktion als Geburtsplatz hatten. Es gibt noch viele Hinweise aus der Volksdichtung, wie etwa auf die "Witte Wievers" (die weisen Weiber, also Hebammen), die an diesen Plätzen am Werk gewesen sein sollen, oder was kleinen Kindern vermittelt wird, "du bist unter den Flintsteinen hervorgeholt wurden; der Klapperstorch hat die kleinen Kinder unter den Flintsteinen gefunden". Natürlich lassen sich prähistorische Gräber finden, in denen auch Messer als Grabbeigaben auftauchen. Unsinnig erscheint es aber doch, wenn in Riesensteinbauten anstatt von Skeletten manchmal nur Messer als Fundgegenstand zu Tage kommen, die aber dann trotzdem zu Grabbeigaben erklärt werden, weil man ja ähnliche Messer, die allerdings zu feingearbeitet waren als daß sie zu Kampfzwecken benutzt werden konnten, schon in wirklichen Gräbern gefunden hat. Das Motiv des Geburtsplatzes kommt aber noch deutlicher bei präkolumbianischen Großsteinbauten zur Geltung, wo einzelne Stützsteine gleichzeitig zu Figuren ausgearbeitet sind. Einige Figuren halten sich die Hände auf den Bauch wie Venusfiguren, andere halten ein kleines Wesen in den Armen. In diesen Bauten läßt sich auch eine in den Fels getriebene Vertiefung finden, die sich meiner Meinung nach besser als Badewanne für Mutter und Kind nach der Geburt eignet, denn als Grab. Prähistorische Großsteinbauten und monolitischen Stelen sind in der Regel immer weit entfernt von den Wohn- und Arbeitsstätten der Menschen zu finden. In einer langsamen Entwicklung scheinen diese Einrichtungen aber näher an die Siedlungen heran gerückt zu sein, in die sie dann, noch später Einzug gefunden haben. In Nordperu wurde ein prähistorischer Rundbau rekonstruiert, dessen Aussendekoration das Motiv der breitbeinigen Figuren aufweist und ein Mäander-Ornament beinhaltet, daß sich ähnlich in vielen europäischen steinzeitlichen Großbauten finden läßt und mich an ein verworrenes Band erinnert, das die Nabelschnur symbolisiert. Auf dem Vorplatz vor des Gebäude stand ein Pfeiler, ähnlich den Stützstöcken die in Nordamerika einen Geburtsplatz anzeigen. Drei Kilometer von der peruanischen Stadt Cuzco entfernt, befindet sich auf einer Felskuppe der magische Platz Kenko, das bedeutet "das , was sich windet". In das weiche Gestein wurden Treppen, magische Zeichen und Sitzgelegenheiten gemeißelt, die man hier als Thron deutet, die in europäischen Fundstätten aber auch als Hexensessel bezeichnet werden. An einem zentralen Platz findet sich eine halbrunde Sitzgruppe, vor der zwei zylindrische Poller etwa 20 cm aus dem Boden ragen. Höchstwahrscheinlich gab es hier früher auch ein Strohdach, wie bei dem rekonstruierten Gebäude in Nordperu. Nach Bekundungen von peruanischen Reiseführern, haben die beiden Steine früher als Gynäkologenstuhl gedient. Diese Deutung wird von einem europäischen Autor als völlig absurd abgetan, "in Wahrheit" dienten die beiden Poller, seiner Meinung nach, als Visierhilfe, bei der Beobachtung von Gestirnen. Steine werden aber schon in der Bibel als Hilfsinstrument bei Geburten erwähnt, und auch in altägyptischen Schriftzeichen für das Wort "gebären" werden zwei Steine dargestellt. Im Iran des 19. Jahrhunderts wurden sie ebenfalls als Hilfsmittel benutzt.
Aber nicht nur Stöcke oder Steine können während einer Geburt zur Unterstützung benutzt werden um bestimmte Stellungen einzuneh-men. Marija Gimbutas beschreibt in ihrer Arbeit Die Sprache der Göttin eine Reihe von frühzeitlichen Heiligtümern in Europa, denen meistens eine ausgeprägte weibliche Symbolik eigen ist. Wiederholt erwähnt sie dabei einen Stuhl oder Thron, auf denen schwangere Göttinnen zu sehen sind. Ich konnte aber leider keinen Hinweis bei ihr finden, daß sie diese Objekte auch als Gebärstuhl ansieht. Vielmehr übergeht sie dieses Mobilar z.B. in der Beschreibung eines Heiligtum der Schlangengöttin. Dort wurden in einem Gebäude einige kleine Tonfiguren auf einer Bank gefunden. Daneben gab es auch einen Ofen und einen "Stuhl". Noch Anfang des 20. Jahrhunderts fanden die Geburten, in Teilen Osteuropas und Russland, in dörflichen Saunastuben statt. Die Tonfiguren aus dem Heiligtum müßten nicht Frauen darstellen die eine Schlange anbeten, wie Gimbutas wohl vermutet, sondern können vielmehr eine Gruppe von Frauen wiedergeben innerhalb der sich eine auf einen Stock stützt. Das Gebäude das Gimbutas als Heiligtum bezeichnet hätte in einer frühen Siedlung gleichzeitig als Frauensauna, Badestube und Geburtshaus dienen können, in dem auch ein Gebärstuhl benutzt wurde. Ähnliche Sitzkonstruktionen lassen sich auch in anderen frühzeitlichen Fundstätten finden (z.B. Catal Hüyük, Lepenski Vir, Beykesultan), die immer wieder als Heiligtümer bezeichnet werden (Bildtafel VI). Wenn in diesen sakralen Räumen ein heiliger Geist angebetet wurde, sollte dieser Geist, vermutlich genauso wie die Venusfiguren, eine glückliche Geburt gewährleisten.
Wie sehr Religion und Geburt auch noch in der jüngsten Vergangenheit miteinander verbunden sind, läßt sich beispielhaft an Miki Nakayama (1798-1887) aufzeigen. Die Japanerin ist Gründerin der Glaubensgemeinschaft Tenrikyo, die inzwischen 2 Millionen Anhänger in Asien haben soll. Eine Gottheit soll, nach dem Tod zweier Töchter, Besitz von Miki Nakayama ergriffen haben. Nachdem sich die Familie anfänglich dagegen gewehrt hatte, die Existens einer Gottheit, dessen Stimme nur Miki hören konnte, an zuerkennen, wurde sie als Medium der Elterngotttheit akzeptiert. Ihr spirituelles Sendungsbewußtsein hat dazu geführt, eine Tanzgebetsform einzuführen, die auf den heutigen Betrachter wie Schwangerschaftsgymnastik wirken kann. Daneben hat sie eine besondere Ernährungsdiät für Schwangere entwickelt und den Bau eines Gebäudekomplexes veranlaßt, der den Nabel der Welt beinhalten soll. Vor allem aber hat sie maßgeblich dazu beigetragen eine jahrhunderte alte Tradition in Japan zu beenden, nämlich den Brauch das Frauen während der Schwangerschaft eng anliegende Gürtel zu tragen hatten. Als die Menschen erlebten, daß Miki Frauen zum leichten Gebären verhilft, sammeln sie sich um sie, um sie als lebende Gottheit zu verehren. Ich habe nur ein paar Artikel über diese japanische Glaubensgemeinschaft gelesen und kann sie deshalb nicht wirklich beurteilen; ich vermute allerdings das Tenrikyo wie andere Religionen streng dogmatisch ausgerichtet ist und eine moderne Schwangerschaftsgymnastik sogar eine bessere Geburtsvorbereitung sein kann als der Tanz um den Kanrodai-Ständer (der Mittelpunkt des Tenrikyo Hauptheiligtums), aber ich komme nicht umhin, hier meine Bewunderung für Miki Nakayama kundzutun. Ihre Glaubensmission erscheint mir als unbewußter Versuch das fötale Drama und spätere traumatische Geburtserfahrungen in einer Art zu lösen, die vorrangig auf zwischenmenschliche Beziehungen achtet und erst danach auf technologische Aspekte. 
Auf jeden Fall erscheint sie mir sehr viel symphatischer, als eine Reihe von Wissenschaftlern, die ebenfalls eine Lösung von Geburtsproblematiken versprechen, bei deren Experimenten ich aber nicht viel von einem Interesse an bessern sozialen Beziehungen verspüre. Vielleicht wurden Versuche, bei denen abgetriebene Föten künstlich in einer Gebärmaschine weiter wachsen sollten, mit der Weltraumfahrt begründet. Die treibende Kraft einer derartigen Forschung mag auch dem fötalen Drama entspringen, erscheint mir aber vielmehr durch Profilierungssucht, Profitgier und kindlich übersteigerte Allmachtsphantasien überlagert zu sein. Dasselbe empfinde ich bei Zeitungsnotizen in denen die Möglichkeit propagiert wird das Männer, mittels Einpflanzung eines Embryos in die Bauchhöhle, auch schwanger werden können. Entweder wollen sich einige Herren mit solchen Berichte wichtig machen um besser an Forschungsgelder zu kommen, oder die Pharmaindustrie möchte an den Reaktionen der Öffentlichkeit ablesen wieweit sich nicht auch damit Geld verdienen ließe. Ich hoffe das die Wissenschaft noch rechtzeitig die Rechenfehler im Machbarkeitswahn der industriellen Verwertung aufzeigt. Die "Männer" müssen nicht alles besser machen und bevor die Menschen mit Raumschiffen fremde Welten erobern, sollten wir, also Männer und Frauen, doch erst einmal versuchen unsere eigene menschliche Natur zu erkennen, um dann auch gemeinsam dafür einzutreten gesellschaftliche Trennungen aufzuheben, anstatt in plumper Weise nur einzelne Aspekte umzukehren, nach dem Motto "guck mal, ich kann jetzt auch schwanger werden/bzw. mich selber klonen, da bist du sicher ganz neidisch, was?".
Bei allen möglichen Problematiken, haben Frauen die unbestreitbare alleinige biologische Kompetenz um Kinder zu gebären. Ich sehe keinen Grund warum das geändert werden sollte. Ich finde es auch unverantwortlich wenn europäischen Pharmakonzernen ihre Profite teilweise damit machen, das sie weltweit Diagnosematerialien verkaufen, mit denen sich vorgeburtlich Erbanlagen bestimmen lassen. Denn in einer Vielzahl von Fällen, werden derartige Untersuchungen nicht ausgeführt, um das Leben Ungeborener zuschützen, sondern nur um gezielt Föten, mit weiblichem Geschlecht, abzutreiben. 
Letztendlich läßt die psychohistorische Forschung für mich nur eine Schlußfolgerung zu, nämlich, das Männer und Frauen gleichwertig sind. Das alle Menschen gleichwertig sind, und das es nicht von Bedeutung ist mit welchen Geschlechtorganen wir geboren werden sondern in welchem sozialen Klima.

Kurz gesagt halte ich Liebe für wichtiger als Geld und atomare/biologische Hightech-Waffen.


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