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Die Grundsteine der Kultur
eine Deutung von Felszeichen und
RitualobjektenIn diesem Text soll der Frage
nachgegangen werden, was die Menschen ursprünglich dazu verleitet hat, Felswände ihrer
Umgebung mit Ritzzeichen zu dekorieren.
Anfang des 20. Jahrhunderts wurden in den Höhlen von Altamira, Lascaux oder anderen
europäischen Orten großflächige und farbige Malereien wieder entdeckt, die dort vor
Tausenden von Jahren angebracht wurden. Lange bevor diese inzwischen weltberühmten und
oft zitierten Wandbilder entstanden sind, war aber in frühen Kulturen schon das Wissen
und die Fähigkeit verbreitet, Knochen und Steine mit Ritzzeichen zu verzieren. Schon
Neandertaler sollen eine gravierte Steinplatte nicht vorrangig als Werkzeug benutzt haben,
sondern als Kultobjekt für Bestattungszeremonien. In der Prähistorik werden die
ältesten sicheren Nachweise für eine symbolisierende Bearbeitung von Objekten ebenfalls
mit der rituellen Einstellung der Menschen zum Tod in Verbindung gebracht. Die
Psychohistorie, als Wissenschaft der Muster historischer Handlungsmotive, betont dagegen
hauptsächlich Vorgeburts- und Geburtserfahrungen, wie von Lloyd deMause in den Grundlagen
der Psychohistorie erläutert wird, wenn er z.B. ausführt, daß Knochen aus
frühzeitlichen Fundstätten, die mit Kerben und weiblichen Symbolen versehen wurden,als
Kalender gedient haben. Diese Abzählhilfen dienten seiner Meinung nach aber nicht als
Mondkalender, wie andere Wissenschaftler vermuten, sondern haben geholfen die
Menstruationszyklen von Frauen zu bestimmen.
Stilelemente früher Felsgravierungen
Zu den ersten ausgeprägten Stilelementen, die sich bei Felsgravierungen finden lassen,
gehören sogenannte Schälchen oder Becherabdrücke. Das sind kreisrunde polierte
Vertiefungen, in den meisten Fällen 2-3 cm tief und mit einen Durchmesser von 4-6 cm. Sie
sind in Reihen, parallelen Säulen, Kreisen oder willkürlich verstreut auf Felsflächen
angeordnet. Solche Schälchen werden oft als Opfergefässe gedeutet. Einige dieser
Vertiefungen sind allerdings in so schrägliegenden Wänden zu finden, daß sie nicht als
Behälter gedient haben können. Ein weiteres elementares Zeichen sind Rillen, lange
gerade Linien, die nicht nur vereinzelt auftauchen, sondern auch scheinbar willkürlich
überlagert als Netzmuster. Diese Strukturen werden allerdings nicht immer als Ausdruck
einer bewußten Gestaltung angesehen, sondern auch als "spielerische Kritzelei"
abgetan. Daneben lassen sich Vulva-Symbole finden, die aus gezielt gesetzten Linien
bestehen, oder geometrische Zeichen, wozu Punkte, Kreise, Rechtecke, Wellen und
Zickzacklinien gehören.
Derartige geometrische Zeichen ziehen sich wie ein roter Leitfaden durch die Felskunst.
Sie lassen sich sowohl in den ältesten datierbaren Fundstätten nachweisen als auch in
allen späteren Epochen. Daher sollten diese Zeichen als ein Hinweis auf ein universell
anhaltendes Bedürfnis angesehen werden, das die Menschen ursprünglich erst dazu gebracht
hat, Ritzzeichen zu schaffen, genauso wie auf die Beständigkeit der zu vermittelnden
Inhalte.
Die Deutung vieler Grundzeichen (Welle, Kreis, Zickzacklinien) als dekoratives bezugsloses
Beiwerk früher Kultäußerungen bedarf, wie man im folgenden sehen wird, einer
Überprüfung. Wobei berücksichtigt werden muß, daß weder die Archäologie noch andere
Forschungszweige bisher eine exakte Angabe über die Entstehungszeit von Felsgravierungen
machen können. Die Altersangaben, die in der Literatur immer wieder auftauchen, sind
nämlich nicht die Ergebnisse einer zweifelsfreien Untersuchungsmethode. Oft sind es nur
grobe Schätzungen der einzelnen AutorInnen, die auch stark voneinander abweichen. Durch
Überlagerungen und Verwitterungen kann aber verhältnissmäßig sicher auf ein relatives
Alter geschlossen werden. Ausgehend von dieser relativen Altersbestimmung kann gefolgert
werden, daß anfänglich bei verschiedensten Kulturgruppen eine gleichartige graphische
Entwicklung stattgefunden hat; und zwar sowohl bei Punkt/Strichzeichen als auch bei der
Komposition komplexer Bilder.
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